Himmelblauer Teddy und hustende Pferde
Geisenheimer lieben den Adventsmarkt in "ihrem" Schloß Schönborn
Geisenheim. (sm) - "Für die Geisenheimer ist es nun mal ihr Schloß und sie sollen nicht den Eindruck bekommen, da können wir nicht rein", sagen Vera Jung. Ingrid Schlepper und Erika Hoffmann. Die drei Frauen von "Rheingau-Exclusiv", dem Veranstaltungsservice von Schloß Schönborn, haben am Wochenende das Schloßtor für den sechsten Adventsmarkt geöffnet. In der stilvollen und anheimelnden Atmosphäre im Erdgeschoß - diesmal waren wegen noch mehr Ständen noch Räume dazu genommen worden - werden ausgefallene und sachkundig handgefertigte Deko- und Kunstartikel verkauft, Delikatessen, Pflegeartikel wie die handgemachte Seifen aus dem Eltviller "Seifenzauber"-Laden oder Duftwässerchen und Lavendelsäckchen, dargeboten unter dem Motto "Schönes aus Frankreich".
Als Highlight waren alle Kinder am Sonntag zur Geisenheim-Tour mit dem Pferdewagen eingeladen, doch schon am Vormittag verkündete ein Schild am Schloßtor: „Kutschfahrten fallen wegen Krankheit aus." Entgegen der naheliegenden Vermutung war aber nicht Kutscher Ueltgesforth erkrankt, sondern seine Pferde. "Die armen Tiere haben Husten und sich alle gegenseitig angesteckt", berichteten die Veranstalterinnen.
Ein anderes Highlight, der Baum vorm Schloß mit den daran baumelnden und zu verlosenden Geschenkpäckchen, wird erst Weihnachten 2009 wieder fällig. Aber auch so zog der Adventsmarkt wieder reichlich Besucher an. "Es ist schon eine Art Treffpunkt, viele Familien kommen mit den Jahr für Jahr größer werdenden Kindern wieder und auch die Standbetreiber bleiben treu", sagt Vera Jung. Viele, die als Gäste kommen und ihr Hobby so gut beherrschen, dass sie die Erzeugnisse verkaufen können, sind vom Markt begeistert und fragen nach einem Platz fürs nächste Jahr, so ein Ehepaar aus Frankfurt, das in Italien gekaufte edle Seidenfäden zu exklusiven Schals verwebt. Die meisten Standbetreiber sind Rheingauer, keiner zahlt eine Standgebühr, denn für Hoffmann, Jung und Schlepper steht der kommerzielle Gedanke hintenan.
Viele Besucher kamen und gingen mit einem prachtvollen Adventskranz, hundertprozentig handgebunden und dekoriert von einer Oestricherin. "Selbst die Gärtner und Blumengeschäfte binden heute kaum noch selbst, sondern dekorieren industriell vorgefertigte Kränze", sagte sie. Die Bestellungen überstiegen bald die Kapazität der Kranz-Künstlerin - "wir haben sie aber bestärkt, alle anzunehmen, notfalls mit der Drohung, sie über Nacht ins Schloß einzusperren", sagte Vera Jung. Die beiden Frauen vom Rheingauer Seifenlädchen hatten neben einer Riesenpalette an kleinen bunten Seifenstücken „Körperbutter" im Angebot, die sie aus Bestandteilen wie Bienenwachs und Jojobaöl selbst fertigen und die eine geschmeidige und glänzende Haut verleiht.
Natürlich gab es beim Adventsmarkt jede Menge Ess- und Trinkbares zum gleich Verzehren oder Mitnehmen. Das Weingut Schloß Schönborn, dessen Betreiber Peter Barth vom Weinguide Deutschland frisch zum Gutsverwalter des Jahres gewählt wurde, bot seine Produkte und eine Gratis-Weinprobe, an anderen Ständen gab es Plätzchen, handgemachte Pralinen von einer Wiesbadenerin oder Tee vom Oestricher "Mr. Greentea". Die Veranstalter selbst verkauften Kuchen, Glühwein und kräftigendes Gulasch. Die weitere Palette: Stimmungsvolle und künstlerisch hochwertige Aquarelle und Tuschzeichnungen des Geisenheimers Rudi Jacobi, Schmuck an zwei Ständen, einmal große originelle Halsketten mit wertvollem Silber und sogar ungeschliffenen Rubinen, einmal Ketten mit farbigen Perlen und Formen, die vorher aus dem Werkstoff Fimo geformt und gebrannt wurden; eine Eltvillerin verkaufte handgenähte Taschen, die Buchhandlung Untiedt war mit einem Stand vertreten. Zwei bekannte Geisenheimer Holzliebhaber, Gerhard Fleck und Martin Vogel, stellten ihre Drechslerarbeiten aus. Beide lieben die Ausstrahlung des Werkstoffes Holz und haben, zum Teil aus kostbaren exotischen Holzarten, Nützliches und Schönes für's Auge und auch als Handschmeichler geschaffen. Im Flur neben der Futtertheke verkaufte Bodo Blanke, Präsident des Lions Club Rheingau, persönlich die Weihnachtskarten des Clubs für 1,50 Euro das Stück – ein Euro davon gehen an ein Projekt für Kinder. Die Produktionskosten sind gering, denn Lions Club-Mitglieder tüten die Karten selber ein, außerdem hat der Club den Künstler Michael Apitz dafür gewinnen können, gratis sein Talent als Comic-Zeichner und Maler zur Verfügung zu stellen. Nicht als Verkäufer, nur als Aussteller dabei: Der professionelle Tisch- und Saaldekorateur Stefan Grob mit einem in festlichen Lilatönen dekorierten Tisch in einem Erker des Schlosses. Die Kinder unter den Besuchern fühlten sich am meisten angezogen von Rosi Jacobis Kuscheltier-Stand. Verkauft wurden Hunde, Hasen, Enten, Schäfchen und Teddybären von ihren Enkelkindern Nell,Milos und Lvnn. Die Stofftiere sind aus hochwertigen Materialien gefertigt, jedes ist ein originelles Einzelstück. "Den schwarzen-Bären habe ich am liebsten", sage Nell, aber auch der himmelblaue Bär daneben dürfte beim Adventsmarkt im Schloß Schönborn seine Fans gefunden haben.
